Ostafrika für Anfänger (Dez. 2010), pt.1

Nachdem ich die Freuden des Fernreisens wiederentdeckt habe, hab ich mich – eigentlich eher unfreiwillig und vorgezogen – entschlossen, die ehemalige deutsche, später britische Kolonie Tanzania sowie das arabisch geprägte Zanzibar zu erkunden. Eigentlich hatte ich ja vorher einen Trip nach Süd-Amerika geplant. Allerdings habe ich eine angeheiratete Familie in Äthiopien. Und da fast meine ganze deutschstämmige Familie im Winter dort zu Besuch war, wurde der fremdländische Familienbesuch kurzerhand als Alibi benutzt um ein bisschen mehr von Ost-Afrika zu sehen als Äthiopien, das ich schon vor einigen Jahren erkunden durfte. Also den Rucksack gepackt und auf ins Abenteuer.

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Von Deutschland nach Tanzania

Eigentlich war ich ja auf die möglichen Komplikationen im winterlichen Süddeutschland vorbereitet. Allerdings hatte ich nicht mit einer solchen Verspätung gerechnet. Nachdem ich recht pünktlich am Frankfurter Flughafen eingetroffen bin, wurde uns mitgeteilt, dass der Flug mindestens 3 Stunden Verspätung habe. Schon mal toll, aber dafür gab es auch einen € 25-Fressgutschein. Also erst mal inne Kneipe und voll fressen. Schließlich ging der Flug mit knapp 9 Stunden Verspätung los. Mittlerweile hatte ich schon über 10 € für überteuertes Bier am Flughafenshop ausgegeben und mich über den von der Lufthansa für Gestrandete engagierten Unterhaltungsfritzen amüsiert.

Mehr als die Hälfte der Passagiere, inklusive mir, hatten in Kairo natürlich ihren Anschlussflug verpasst. Es war 3:30 Uhr morgens und meine nächste Flugmöglichkeit sollte abends um 23:00 Uhr starten. Vieles kam mir aber ziemlich chaotisch vor. Hier wusste wirklich keiner, was der andere macht und wie es weiter gehen wird. Wir sollten in einem exklusiven Hotel in der Innenstadt einquartiert werden. Allerdings hatte ja keiner ein Visum für Ägypten, was die Lage etwas verkomplizierte. Nach heftigen Diskussionen wurden wir ‘gebeten’ unsere Pässe am Flughafen zu lassen.

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In einem überfüllten Bus ging es in halsbrecherischem Tempo in die Innenstadt zum Triumph Hotel, das mit Körperscannern an der Eingangstüre gesichert war. Der Sicherheitsbeamte hat jedoch geschlafen und auch das ständige gepiepse des Scanners hat ihn offenbar nicht gestört. Da das Hotel nicht genügend freie Zimmer hatte, gab es auch hier einige Tumulte und ich sah schon die Fäuste fliegen, als wir mit einem wirklich tollen Frühstücksbuffet ruhig gestellt wurden. Um 11:30Uhr hatte ich es geschafft, mit einem Matz, einem Mitreisenden aus Hannover, der seine Freundin in Kenia besuchen wollte, ein Zimmer zu ergattern, wo wir und erst mal ausruhen und frisch machen konnten. Gegen 17:00Uhr habe ich es gewagt, trotz Verbot und ohne Pass, das Hotel zu verlassen und etwas um den Block zu schlendern. Wohl war mir, angesichts der hohen Militärpräsenz, allerdings nicht. Die politische Lage in Kairo war noch nicht ganz so wild, wie es 4 Wochen später sein sollte, als der sogenannte Arabische Frühling hier seinen Beginn finden sollte.

Um 20:00Uhr wurden wir in einen noch kleineren Bus gepresst, denn man hatte ja nicht ahnen können, wieviele Leute wir waren. Erneut ging es mit rücksichtsloser Fahrweise zum Flughafen. Nicht nur einmal kamen andere Fahrzeuge bis auf wenige Zentimeter an mein Fenster, welches ich sicherheitshalber lieber geschlossen hielt. Am Flughafen erhielten wir erstaunlicher Weise sofort unsere Pässe und Bordkarten. Kurz vor Mitternacht starteten wir dann endlich in Richtung Addis Ababa, wo wir nochmals umsteigen sollten. Leid taten mir dagegen einige Mitreisende, die noch einen Tag länger auf ihren Flug warten und in Kairo ausharren mussten. Zwar hatte ich einen Platz in der Business Class bekommen, aber das Essen war trotzdem so scheiße, dass ich fast kotzen musste.

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In Addis Ababa musste ich dann nochmals rund 6 Stunden warten, bis der Flug nach Dar Es Salaam startete. Wir waren ein Grüppchen aus 5 Einzelreisenden, so dass die Wartezeit in der Flughafenbar recht schnell vorbei ging. Gegen 12:30 war ich dann aber endlich, mit läppischen 31 Stunden Verspätung in Dar Es Salaam, der größten Stadt und Regierungssitz Tanzanias, dem früheren Deutsch-Ostafrika. Die schwüle Hitze hat mich allerdings fast umgehauen. Nach 30 Sekunden war ich durchgeschwitzt bis auf die Unterhose und habe mir ein Taxi gesucht, da mein bestellter Chauffeur verständlicher Weise nicht so lange auf mich gewartet hatte. Bezahlen durfte ich ihn dann dennoch. Wenigstens wurden mir die Kosten für die erste Nacht in meiner Unterkunft nicht berechnet – und zum Glück war auch meine Buchung auch nicht storniert worden. Hatte ja unterwegs versucht anzurufen, aber niemanden erreicht.

Nach einer gemütlichen Dusche habe ich mir die Stadt angeschaut. Ein wirklich hässlicher Moloch, in dem man die Armut an jeder Ecke sieht. Man wird auch von jedem gleich angequatscht und jeder will Kohle von einem. Sehr lästig, aber auch nur zu Gut verständlich. Es ging zum Fischmarkt, wo es stinkt wie Drecksau und schweine-heiß ist, da dort auch überall gekocht und gegrillt wird. Es ist so heiß und schwül, dass man sich 6-7 Liter Wasser am Tag rein säuft und trotzdem nur einmal pissen muss.

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Im Botschaftsviertel wurde ich dann auch gleich noch von so’nem Deppen mit dem Auto angefahren. Allerdings war der Fahrer so bestürzt, dass ich ihn beruhigen und trösten musste. Auch der Markt von Dar Es Salaam ist total schäbig und dreckig, so dass es kein Vergnügen ist, dort herum zu schlendern. Eigentlich war ich fast froh, bald eine Fähre zur Überfahrt nach Zanzibar nehmen zu können. Nicht zu Letzt, da es auch Nachts für einen Europäer nicht gerade angenehm, bzw. richtig gefährlich werden kann, alleine durch die Stadt zu laufen. Und das ist kein Witz. Hier haste schneller die Fresse blutig und dein Zeug abgenommen, als du schauen kannst. Ich war jedenfalls froh, mit einem Einheimischen, der mich an einer Straßenecke abgefangen hatte, unterwegs zu sein. Der hat mir die Slum-Gangs mehr oder weniger vom Hals gehalten hat, mich aber auch gegen einen abgesprochenen Betrag durch die Stadt geführt. Am Ende wollte er anstatt den abgemachten 15 aber plötzlich 50 Dollar. Musste ihm dann klar machen, dass ich mich nicht verarschen lasse und am Ende war er mit den 15 Steinen auch ganz zufrieden. Ist immer noch genug Kohle für die hiesigen Verhältnisse. Hat auf dem Rückweg aber immer weiter versucht, mir noch was abzuschwätzen, worauf ich aber nicht eingegangen bin. Und da ich immer freundlich aber bestimmt war, trennten wir uns dann doch in gutem Einvernehmen.

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Am nächsten Tag bin ich dann alleine noch etwas durch die Stadt gelaufen, aber es war wirklich unerträglich schwül, so dass ich das ein oder andere Mal eine Bank oder das Postamt betreten habe, nur um in den Genuss der dortigen klimatisierten Räume zu kommen. Nachdem ich mich ein wenig verfranzt hatte, wäre ich am Abend dennoch fast zusammen geklappt. Zurück im Hotel musste ich dann erst noch ein Erfrischungsgetränk zu mir nehmen, um es dann in den ersten Stock in mein Zimmer zu schaffen. Nachdem ich gegen später noch etwas essen war, hab ich den Rest von ‘Heilig Abend’ in meinem schäbigen Zimmer mit einem Tetra-Pack Wein verbracht und den Insekten und Krabbeltieren beim Erkunden meiner Klamotten und meines Gepäcks zugesehen.

Nach Kräfte zehrenden Tagen mit wenig Schlaf und in der Stadt habe ich dann eine Fähre bestiegen die mich innerhalb von 3 Stunden nach Zanzibar, dass nicht weit vor der Küste Tanzanias liegt, brachte. Das Besteigen des Schnellbootes hatte es aber nochmals in sich. Denn hier drängelten sich dutzenden Leute in der Hitze, schubsten, schoben und standen einem auf den Füßen, so dass ich manch einen am liebsten vom Steg geschmissen hätte. Aber nach 45 Minuten im gedränge wurde mir mein Rucksack dann doch endlich abgenommen, und auf dem Bug zusammen mit den Gepäckstücken der anderen Mitfahrer abgeworfen und los ging die rasante Fahrt nach Zanzibar.

Fortsetzung folgt…


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