Ein paar Tage in Estland (Okt. 2018)

Die ist ein dreiteiliger Reisebericht, denn ich habe in einem Aufwasch gleich alle drei baltischen Staaten besucht. Entgegen der üblichen Reiseruten hab ich meinen Startpunkt im Norden gewählt, um dann gen Süden zu reisen. Mein erstes Ziel hieß also Tallinn (ehemals Reval), die Hauptstadt von Estland, wo Samstag abends angekommen bin.

TALLINN

Mein Hostel direkt lag in der recht überschaubaren, aber sehr sehenswerten Altstadt von Tallinn. Nachdem ich mein Bett bezogen hatte, bin ich flux noch für eine Runde durch diese gelaufen und hab mir in der bereits aufziehenden Dämmerung noch ein paar in der Nähe gelegene Sehenswürdigkeiten angeschaut: Die alte Stadtmauer, den Kiek in de Kök (der ehemalige Kanonenturm) und die orthodoxe Kirche. Bin danach aber auch noch quer durch die Altstadt auf der Suche nach einem Supermarkt. Sehr schöne, steinalte Gebäude, zum Teil mehrere Jahrhunderte alt, finden sich hier und die Restaurants drum herum waren gut besucht. Der Supermarkt, den ich dann auch schnell gefunden habe, war allerdings ziemlich klein, also habe ich mir nur ein Willkommensbier geholt und mich dann weiter auf die Suche nach einem etwas größeren Einkaufsladen gemacht. Wenige Meter außerhalb der Altstadt war dieser ebenso schnell gefunden, so dass ich mich mit ein paar Grundnahrungsmitteln eindecken konnte. Die Preise sind – für mich etwas überraschend – höher als hier zu Lande, aber immer noch annehmbar. Da ich in der letzten Nacht nur drei Stunden geschlafen hatte, von der Reise und dem doch etwas etwas ausgedehnteren Spaziergang etwas geschafft war, hab ich mich nach dem dem Abendessen aber doch recht schnell zu Bette begeben.

Leider war das Wetter am nächsten Tag doch etwas trübe. Dennoch habe ich mich zur rustikalen Strassenbahn begeben und bin mit dieser zum nahe gelegenen Schloss Katriorg gefahren, welches von einem riesigen Garten umgeben ist. Hier hat mich eine ebenfalls alleine Reisende angequatscht und nach dem Weg gefragt. Kurzerhand haben wir uns dann gemeinsam bei regnerischem Wetter durch die Parkanlagen zum Schloss begeben und die dortige Ausstellung besucht. Danach haben sich unsere Wege allerdings auch schon wieder getrennt und ich bin noch etwas im Nieselregen durch den Park und den angrenzenden japanisch Garten gelatscht. Mein nächstes Ziel war der Fernsehturm, der etwas außerhalb der Stadt liegt und das höchste Gebäude der Stadt ist. Hier wurde es wegen des nun auch einsetzenden starken Windes richtig ungemütlich. Und die kleine Sowjet-Ausstellung war mir dann doch zu teuer, um mich aufzuwärmen. Also ging es in den angrenzenden botanischen Garten, der weitläufig und sehr schön ist. Mittlerweile hatte es etwas aufgeklart, so dass es doch sehr angenehm dort war. Allerdings auch sehr menschenleer, was mir nicht ganz unrecht war.

Mit einem kurzen Abstecher zur Ruine des Brigitten-Klosters, das eine faszinierende Ausstrahlung besitzt, ging es dann zurück in die Stadt. Nachdem ich ein wenig Proviant organisiert hatte, ging es zu Fuß etwa drei Kilometer zu Fuß zurück an den Stadtrand und dem sich dort befindlichen Denkmal der Opfer der sowjetischen Besatzung und dem kaum belegten deutschen Soldatenfriedhof. Mittlerweile hat es wieder stärker zu regnen begonnen und an der Uferpromenade hat es gezogen wie Hechtsuppe, so dass ich mit dem Bus zurück in die Stadt gefahren bin. Nachdem ich nochmals durch die wirklich schöne Altstadt gelaufen bin, war ich dann doch recht spät und nach über acht Stunden im Regen auch etwas aufgeweichtem Zustand zurück im Hostel. Dort hat mich dann gleich eine Britin mittleren Alters mit einer Flasche Wodka empfangen und ich kam nicht drum herum, diese mit ihr zu leeren und mich dabei mit ihr und einer Touristin mit Migrationshintergrund aus Irland über Gott, die Welt und die Flüchtlingsfrage zu unterhalten. War ein sehr anregendes, Alkohol geschwängertes Gespräch.

LAHEMAA-NATIONALPARK

Am nächsten morgen habe ich mich zur nahegelegenen Touristeninfo begeben, wo schon die Gaby und der Ottmar aus Bayern, sowie ein Pärchen aus Indien und eine Touristin aus Franken gemeinsam mit unserem Guide für den heutigen Tag warteten. Ich hatte mich nämlich entschlossen, die Tour durch den Lahemaa-Nationalpark organisiert zu unternehmen, da es aufgrund der ausgedünnten Infrastruktur sonst nicht möglich gewesen wäre, mehrere Attraktionen an einem Tag abzuklappern. Also fuhren wir im Kleinbus zum größten Wasserfall des Baltikums (Jägala), der ganze 8 Meter hoch, dafür aber knapp 70 Meter breit ist. Erfreulicher Weise war das Wetter heute besser und nur etwas bewölkt. Nach diesem spektakulären Anblick ging es weiter zu einem der vielen Gutshöfe, die vor zwei bis drei Jahrhunderten von deutschen, dänischen oder schwedischen Bonzenfamilien als Sommerdomizil errichtet wurden, nun aber leerstehen und verfallen. Für‘n Apfel und `n Ei kann man solch ein Gehöft erwerben, verpflichtet sich aber dazu, dieses im Originalzustand zu renovieren, was von den Behörden auch streng überwacht wird und wofür man dann doch ziemlich tief in die Tasche greifen muss. Hier gab es von unserem hipsteresken Guide auch einen humorvollen und sehr interessanten Abriss zur Geschichte Estlands. Im Anschluss fuhren wir in den kleinen Küstenort Käsmu, wo der Besuch eines kleinen, sehr urigen Museums auf dem Programm stand, das von einem ortsansässigen Sammelwütigen in dessen Privathaus eingerichtet wurde. Sehr interessante Ausstellung von Fischerei- und Schiffahrtsdevotionalien. Überhaupt ist das Haus sehr schön und recht antik eingerichtet. Bei Arne, dem Hausherren haben wir dann auch an einer festlichen Tafel mit tollem Blick über die Küste zu Mittag gespeist. Sehr leckeres Lachssteak mit Kartoffeln und Mayonaisse-Soße. Im Anschluss gab‘s noch einen tollen Apfelkuchen. Begleitet von den zwei anschmiegsamen Haushunden haben wir im Anschluss noch einen halbstündigen Verdauungsspaziergang entlang der landschaftlich überwältigenden Küste entlang gemacht.

Danach wurden wir zu einem kleinen Fischerörtchen kutschiert. Sehr schöne Holzhäuser, aber auch schnuckelige Ferien- bzw. Sommerhäuschen der Eingeborenen gibt es hier zu sehen. Zudem einen tollen Blick über das Meer. Alles sehr idyllisch und ruhig. Hat mir sehr gut gefallen. Danach ging es aber auch schon weiter zu einem weiteren Gutshof. Diesmal zu einem bereits komplett renovierten, so dass man gut den Unterschied zu der Bruchbude gesehen hat, die wir uns am Vormittag angeschaut hatten. Unsere letzte Etappe führte uns dann zu einer riesigen Moor-Landschaft, die man auf schmalen Holzstegen (Bog-Trails) durchqueren kann. Gut drei Kilometer ist der Weg lang und bietet einen phantastischen Ausblick auf das Moor mit seinen vielen kleinen Seen, den Sträuchern in der Umgebung und dem Wald im Hintergrund. Wirklich faszinierend und eine atemberaubende Landschaft.

Mittlerweile war es bereits 18:00 Uhr und so haben wir uns auf den Rückweg nach Tallin gemacht. Nachdem wir uns alle Verabschiedet hatten, bin ich schnell zur Tram-Haltestelle gelaufen um zu schauen, wann morgen früh die Bahnen zum Flughafen fahren. Danach ging es erneut ein wenig durch die Altstadt. Um kurz nach acht war ich dann etwas abgeschlagen zurück im Hostel.

SAAREMAA / KURRESAARE

Heute hieß es früh aufstehen. Um 6:30 Uhr bin ich aus dem Haus und mit der Tram zum Flughafen gefahren. Ohne lange Wartezeit bei der Sicherheitskontrolle ging es dann mit den restlichen 8 Passagieren zum Flieger, einer kleine Propellermaschine, die gerade mal 19 Sitzplätze hat. Der Flug war angenehm und eine halbe Stunde später waren wir bereits am Airport von Kurrassare, der größten Stadt auf der der größten Insel des Landes (Saaremaa). Da es keine Busverbindung gab, bin ich die drei Kilometer in die Stadt gelaufen. Erfreulicher Weise hat sich heute sogar die Sonne blicken lassen, so das ich fast ins Schwitzen gekommen bin.

Als erstes bin ich zum an der Küste gelegenen Schloss und hab dieses von allen Seiten geknipst. Danach bin ich noch etwas an die Küste, bevor es in die Innenstadt ging bin. Leider ist diese zur Zeit größtenteils eine Baustelle. Was mir, wie schon in Tallinn aufgefallen ist, ist dass kaum Bullen zu sehen sind, dafür aber überall Überwachungskameras hängen. Man fühlt sich also schon etwas überwacht. Bin dann weiter gelaufen zum Busbahnhof und hab mich zum einen nach einem Bus nach Kaali erkundigt, wo ich heute noch hin wollte, zum anderen habe ich gleich ein Ticket für die Busfahrt morgen nach Pärnu erstanden. Die schrullige alte Dame am Schalter war auch sehr hilfsbereit und hat mir die Verbindungen nach Kaali und auch die Verbindungen zurück in die Stadt aufgeschrieben. Der Bus dorthin kostet übrigens nichts, was mich doch sehr verwundert hat. Dies bemerkte auch die Schalterfrau und hat deshalb nochmals deutlich gesagt „Zero Euro“! Allerdings hatte ich noch zwei Stunden bis zur Abfahrt Zeit, also bin ich zum Hostel gelaufen, obwohl Check in erst ab 14:00 Uhr ist. Das Hostel liegt in einem schäbigen Gebäude und die Rezeption ist in der Wäscherei der Mutter des Hostelwirtes. Zumindest sind dann saubere Bettlaken und Handtücher garantiert. Da ich noch etwas Zeit hatte bin ich nochmals zur Küste. Von dort aus dann in den Supermarkt, um mir Proviant zu holen. Zehn Minuten vor Abfahrt war ich dann am Busbahnhof. Allerdings war ich verwundert, dass sich alle Fahrgäste ein Ticket beim Fahrer geholt haben. Hat mich die Alte etwa verarscht? Dem war aber nicht so, denn auf dem Ticket stand der Preis von € 0,00.

Die Fahrt nach Kaali dauerte gut 15 Minuten. Hier gibt es nur 5 oder 6 Gebäude und das Kraterfeld, das ich mir anschauen wollte. Als ich dann am nahen Meteoritenkrater ankam, war ich doch ziemlich ernüchtert. Da ist halt ein 100m breites Loch im Boden mit einer Pfütze in der Mitte. Nach 10 Minuten war ich daher fertig mit der Besichtigung. Blöd nur, dass der Bus zurück in die Stadt erst in gut zwei Stunden hier losfahren sollte. Ich stand also mitten im Nirgendwo mit nichts drum herum. Also bin ich einfach mal los gelaufen. Der nächste Ort, Koljala, war auch nicht viel größer. Hier standen einige verfallene Höfe und ein paar kasernenähnliche Wohnhäuser. Alles sehr ärmlich, verfallen und baufällig. Nicht weit von der Siedlung entfernt war ein verlassener Grill- und Spielplatz, wo ich mich dann niedergelassen, mein Vesper verzehrt und die Zeit genutzt habe, um im Reiseführer nachzuschauen, was denn in Lettland und Litauen für mich in Frage kommen würde, da ich hierfür noch gar nichts geplant hatte.

Hab mich dann so langsam wieder auf den Weg nach Kaali gemacht, um den Bus nicht zu verpassen. Nicht dass ich nochmal 90 Minuten auf den nächsten Warten muss. Mittlerweile hat es etwas zugezogen und es wurde doch recht frisch. Und da ich ohne Jacke unterwegs war, war ich froh, mich im Bus ein wenig wärmen zu können. Zurück in Karrasaare bin ich dann zurück ins Hostel und hab mir meine Jacke geholt, bevor ich noch etwas nach draußen und in nördliche Richtung am Stadtrand entlang bin. Ach hier viele schäbige, 2-3 stöckige Wohnhäuser die ziemlich baufällig aussahen. Bin dann noch kurz zur ältesten Steinbrücke des Landes, bevor ich mir im Supermarkt mein Abendessen geholt habe. Leider gibt es keine Küche hier, sondern nur eine Mikrowelle, weshalb ich mir zwei Gläser mit Fertigfraß geholt habe. Da es hier auch keine Stühle gibt, durfte ich das Futter im Stehen einer Theke zu mir nehmen, bevor es zur Nachtruhe ging.

PÄRNU

Hab heute mal richtig gut geschlafen, bis um viertel Nach sieben mein Wecker geklingelt hat. Ebenso wie der von einem meiner zwei Zimmergenossen. Allerdings hat der sein Teil immer wieder auf „Schlummer“ gestellt und alle 3 Minuten ging das Scheiß-Teil wieder los. Und das die ganze halbe Stunde die ich noch vor Ort war. Als ich dann mit Sack und Pack los bin hat der Typ, verpackt in einen eng anliegenden Ganzkörperdress seine Koje dann auch endlich verlassen. Was für `ne Wurst. Um kurz nach acht war ich dann am Busbahnhof und der Bus, ein Kleintransporter mit 15 Plätzen stand schon bereit. Die Fahrt bis zur Fähre hab ich dann auch wieder verschlafen, was aber auch egal war, denn das Wetter war doch ziemlich regnerisch.

Mit der Fähre ging es zurück auf‘s Festland und da es mittlerweile aufgehört hat zu regnen und auch kaum Wind ging, konnte ich die Überfahrt auf dem Sonnendeck verbringen. Von der anderen Uferseite war es noch eine Stunde Fahrt. Auch hier durfte ich jetzt schon einchecken und konnte mein Gepäck im von mir allein bewohnten 8-Bett-Zimmer abstellen. Riesiges Teil mit dem Charme eines sowjetischen Landschulheims ist das hier und insgesamt sind nur fünf oder sechs andere Leute da, die alle auf verschiedene Zimmer verteilt waren. Bin aber auch gleich weiter in die Stadt, die ziemlich trostlos ist. Wirklich kaum was los hier. Liegt aber auch an der Saison, denn Pärnu ist eigentlich ein beliebter Ferien und Wellness-Ort. In der Touristinfo hab ich mich dann nach Verbindungen in den Soomaa-Nationalpark erkundigt. Leider fährt morgens nur ein Bus dort hin und der startet bereits um kurz nach sechs. Die überaus hilfsbereite Dame an der Info hat zwar versucht, mir eine private Mitfahrgelegenheit zu organisieren, aber vergebens. Muss ich wohl morgen den Bus um 6:05 Uhr nehmen.

Danach bin ich etwas durch das Städtchen gelaufen, das wirklich nicht viel zu bieten hat. Hab mich also gefragt, wie ich den Tag rum bringen soll. Aber je weiter ich gelaufen bin, desto mehr hat es mir gefallen. Denn hier gibt es dutzende sehenswerte Holzhäuser, die teilweise zwar etwas marode sind aber einen tollen Charme versprühen. In der herbstlichen Umgebung war das alles sehr stimmungsvoll. Genervt hat mich nur ein russischer Penner aus St. Petersburg, der mich vollgequatscht hat. Hab dem zahnlosen Alki zwar gesagt, dass ich kein Russisch verstehe, was ihm aber herzlich egal war. Konnte mich dann aber doch irgendwann von dem Typen loseisen. Bin dann in Richtung Strand marschieret. Auch hier gibt es viele wirklich tolle Holzhäuser, teils etwas vermodert, teils hübsch renoviert. Einfach klasse. Nachdem ich die verlassene Strandpromenade abgelaufen bin hat es leider wieder angefangen zu regnen. Also bin ich ins Hostel und hab mich dort ein wenig ausgeruht. War ja immerhin auch schon wieder fast 10 Stunden auf den Beinen.

Bin dann nochmals los in die City und hab mir im Supermarkt was zum Kochen geholt. Da ich die letzten Tage eigentlich nur Fisch oder Meeresfrüchte gegessen hab, war mir mal wieder nach etwas fleischigem zumute. Mit einem kurzen Umweg über den Park bin ich dann wieder zurück ins Hostel. Dort hab ich mir dann noch fertige Hackfleischbällchen gemacht, die echt ekelhaft waren, aber die Sauce dazu mit frischem Gemüse, war echt lecker. Da muss ich mich mal selbst loben. Schade nur, dass die “Frikadellen“ auch noch für morgen reichen. Gut das noch Soße da ist.

SOOMAA NATIONALPARK

Heute hieß es also früh raus, so dass ich um kurz vor 6 Uhr am Busbahnhof war. Leider fährt ja nur dieser eine Bus, um in den Nationalpark zu kommen. Um 6:45 Uhr war ich dann in Joesuu, wo ich umsteigen musste. Hier befinden sich nur ein paar wenige Häuser und es ist wirklich nichts los. Leider wusste ich nicht ob der Anschluss hier oder auf der gegenüberliegenden Seite abfuhr, aber so viele Busse kommen ja nicht. Leider kam auch mein Bus nicht. Fünf Minuten nach der geplanten Abfahrt kam dann auf der gegenüber liegenden Seite ein Bus, in dem die selbe Fahrerin saß, die mich von Pärnu hier her gebracht hatte. Bin schnell rüber gelaufen, hab gefragt „to Riisa?“ und auf die gegenüberliegende Seite gezeigt. Die Alte hat dann aber bejaht und ist davon gedüst. Nachdem ich eine weitere halbe Stunde gewartet hab, hab ich mich entschlossen los zu laufen. Hab so‘n alten Sack gefragt, wo es lang geht, der wusste es aber leider auch nicht und hat mich ins nahe Altenheim geschleppt. Eine Pflegerin hat mir dann, nachdem mich dort alle mit großen Augen angegafft haben, den richtigen Weg gewiesen. Nach Riisa sind es 8 km, was am frühen morgen doch etwas viel erschien. Und so langsam wurde mir klar, dass mich die Trulla im Bus wohl missverstanden hatte. Denn auf dem Rückweg nach Pärnu macht der Bus offenbar den Abstecher nach Riisa. Das hätte mir die mürrische Schnalle aber auch deutlich machen können, indem sie mich in den Bus winkt. So eine dämliche Kuh!

Nach sechs Kilometern war ich dann am Eingang zu einem Bog-Trail, der laut Beschriftung knapp 5 km lang ist. Den hab ich dann auch begangen und bin bei tollem Wetter durch die faszinierende Moorlandschaft gelatscht. Außer mir war keine Menschenseele hier unterwegs. Aber auch auf der Straße war es bereits auffallend menschenleer. Nachdem ich wieder am Ausgangspunkt war bin ich die Straße weiter bis nach Riisa. Der Ort besteht auch nur aus ein paar wenigen Häusern und zum Infocenter sind es von hier aus nochmals ca. 6 km. Also bin ich entlang der Straße weiter und nach weiteren zwei Kilometern links abgebogen, wo es zu einem weiteren Wanderweg ging. Auch dieser ist knapp 5 km lang und führt durch einen dichten, morastigen und sumpfigen Wald, der immer wieder von schönen Wiesen und Flussläufen durchbrochen ist. Am Ende des Hauptweges geht es dann direkt in den urigen Naturwald bis zum Rande des Moores. Hier gibt es einen Aussichtsturm, von dem aus man einen tollen Blick über die riesige Moorlandschaft hat. Ein kleiner Rundweg führt auch nochmals durch das Moor.

Danach ging es wieder durch den dicht bewachsenen Wald, der richtig schön ursprünglich ist. Mittlerweile war es bereits kurz vor zwei und so musste ich mich langsam zurück zur Haltestelle begeben, in der Hoffnung, dass mich diesmal ein Bus mitnehmen würde. Im Endeffekt war es aber auch gar nicht so schlecht, dass mich die Trulla morgens stehen hat lassen. Ansonsten wäre ich nämlich am ersten Rundwanderweg vorbei gedüst und danach wahrscheinlich bis zum Besucherzentrum gelaufen. Hätte dann den ganzen Weg wieder zurück gemusst und wäre am Schluss wohl genau so viel gelaufen. Auf dem Rückweg führt der Bus von Pärnu übrigens direkt nach Riisa und auf dem Rückweg nicht mehr, so dass ich wieder in Joesuu aussteigen und ca. 50 Minuten warten musste, bis der Bus dann zurück kommt. Der Fahrpreis beträgt übrigens nur 1 €, was doch ziemlich günstig ist für die lange Strecke nach Pärnu. In Jeosuu bin ich dann noch an den nahen Fluß, über den eine wackelige, schwankende Holzbrücke führt und von der aus man einen schönen Blick über die Flussauen hat. Überhaupt ist die Landschaft hier wirklich phantastisch und im herbstlichen Sonnenschein besonders schön anzuschauen.

Um kurz nach 17:00 Uhr war ich dann zurück in Pärnu und nach insgesamt knapp 25km Fußmarsch doch ziemlich geschafft. Bin noch kurz in den Supermarkt mein Proviant für morgen holen und diesmal wollte ich sogar meine Pfandflaschen abgeben. Hab eine Angestellt gefragt, wo ich die abgeben kann und sie meine nur auf dem Parkplatz sei ein Behälter. Dort war allerdings nichts, bis auf einen großen Mülleimer. So funktioniert das hier also mit dem Pfand. Also hab ich die beiden Flaschen halt doch in den Müll geworfen. Obwohl ich schon etwas fertig war, hab ich mich aber, ob des guten Wetters, noch etwas in den Park gesetzt, bevor es dann zurück ins Hostel und unter die Dusche ging. Leider ist ein weiterer Gast bei mir eingezogen, so dass ich das Zimmer nicht mehr für mich alleine habe. Schade, aber ich werd‘s überleben. Genauso wie den Rest der ekligen Fleischbällchen.

Das waren dann aber auch schon die sechs Tage in Estland. Landschaftlich sehr schön, ruhig und entspannen, nur die Leute sind zumeist doch reserviert. Morgen geht‘s dann weiter nach Lettland. Bin mal gespannt, wie es dort so ist.


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